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Ein Erfahrungsbericht



patrick-bericht-2 Hallo, mein Name ist Patrick. Ursprünglich komme ich aus Kamerun. Seit 11 Jahren lebe ich in Deutschland. Bis dahin lebte ich bei meiner Oma in Afrika. Meine Mutter war in Deutschland verheiratet. Mein großer Wunsch war, wieder zu meiner Mutter zu ziehen. Ich hatte große Erwartungen an eine heile Familienidylle. Gerade war mein Bruder geboren. Die Beziehung zwischen meinen Eltern entsprach allerdings nicht diesem Ideal. Außerdem war ich neidisch auf meinen Bruder. Ich hatte Angst, er würde meine Mutter für sich in Beschlag nehmen. Die Konflikte in unserer Familie wurden mit der Zeit immer schlimmer. In Afrika war ich ein guter Schüler. Hier in Deutschland ging es immer mehr bergab. In der Schule kam ich in falsche Kreise. Ich suchte nach Zufriedenheit und Anerkennung bei Menschen. Ich habe nicht das gefunden, was ich suchte. Ich wurde ein Mitläufer. Ich tat das, was mir gesagt wurde. Dadurch geriet ich in immer größere Abhängigkeit von Menschen. Dazu gehörten auch die Umgangsformen meiner Clique anzunehmen, Menschen zu demütigen, zu stehlen, zu betrügen. Als die Atmosphäre zuhause unerträglich wurde, kam ich in ein Heim nach Frankfurt. Dort kam ich dann das erste Mal mit Drogen in Berührung. Mein damaliger Freundeskreis war noch extremer als vorher. Drogen zu konsumieren war hier alltäglich und normal. Ich zog mindestens fünf Mal um, von Heim zu Heim, bzw. Pflegefamilie. Ich blieb ein Mitläufer, ich blieb abhängig. Der erste für mich verheißungsvolle Schritt war, eine Ausbildung als Koch zu starten. Es war ein stressiger Alltag. Mit meinen täglichen Problemen und den Anforderungen im Beruf kam ich allein nicht klar. Ich brach unter der Belastung zusammen. Es folgte ein totaler psychischer Zusammenbruch mit Selbstmordgedanken. Depressionen bestimmten meinen Alltag. Aufgrund meines Drogenkonsums verlor ich meinen Ausbildungsplatz. Ich lebte planlos in den Tag hinein. Trotz den Selbstmordabsichten schrie etwas in mir nach Leben. In früheren Zeiten war ich schon mal mit in einer christlichen Gemeinde. In meiner damaligen Situation fing ich an, in der Bibel zu lesen. Ich hatte mich vorher noch nie wirklich mit der Bibel beschäftigt. Ich fing an zu beten, in meiner Verzweiflung. Ich wusste keinen anderen Ausweg mehr. Ich wünschte mir zutiefst, dass Jesus sich mir irgendwie zeigen würde. Ich setzte mich mit meinem damaligen Betreuer über den Sinn meines Lebens auseinander. Während dieser Zeit versuchte mich auch ein muslimischer Bekannter zu seinem Glauben zu bewegen. Meine Psyche war völlig kaputt. Ausgerechnet in dieser Zeit bekam ich durch meinen Betreuer einen Flyer von Hoffnung für Dich e.V.. Nach meiner Vorstellung in Schloss Falkenberg, war ich nicht unbedingt überzeugt, mein Leben grundlegend zu ändern. Ich hing auch irgendwie an dem Alten. Mir wurde aber von der ambulanten Betreuung viel Motivation entgegengebracht, dass nur noch eine stationäre Maßnahme eine grundlegende Änderung in meinem Leben bewirken kann.

Ich ließ mich auf diesen neuen Weg ein. 2009 kam ich nach Falkenberg. Ich kam mit den Rahmenbedingungen und Regeln anfangs überhaupt nicht klar. Ich versuchte natürlich, meinen eigenen Lebensstil hier weiterzuleben.

Ich bin jetzt am Ende meiner Maßnahme. In der Rückschau sind mir viele Dinge bewusst geworden, die ich bisher verdrängt hatte. Ich lernte in meinen Beziehungen vieles aufzuarbeiten. Mir wurde Schuld gegenüber Menschen bewusst, die sich für mich eingesetzt haben und die ich verletzt hatte. Ich konnte darüber weinen und mich den Begegnungen stellen. Ich merkte auch, wie ich über Jahre in meinem eigenen Mitleid gebadet habe. Dadurch hatte es nie eine wirkliche Veränderung gegeben. Mitten in dem therapeutischen Prozess wurde die Sinnfrage wieder neu relevant. Ich öffnete mich bewusst dafür, Vergebung in Anspruch zu nehmen und mein ganzes Leben Gott anzuvertrauen. Gerade das Vertrauen war bisher immer mein größtes Problem. Ich war immer misstrauisch in Beziehungen. Jetzt merkte ich, dass durch den Umgang mit der Bibel hier etwas ganz neu in mir zu wachsen begann. Die Liebe, die ich bei Gott fand, war etwas anderes, als das, was ich bis jetzt kannte. Im Nachhinein konnte ich erkennen, dass trotz meines Jammerns und Selbstmitleids, Gott sich nicht von mir abgewendet hatte. Ich konnte erfahren, dass ich bedingungslos geliebt und anerkannt bin. Ich hatte das erste Mal ein Bewusstsein von Zuhause, zu jemandem zu gehören. So etwas hatte ich vorher noch nie erfahren. Mir wurde in diesem Zusammenhang ein Vers aus der Bibel sehr wichtig. In Matthäus 6,25 sagt Jesus : „Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung?“

Ganz praktisch passierte natürlich auch ganz viel in der Therapie. Hier musste ich niemandem mehr etwas beweisen. Ich musste nicht aus Anpassung handeln, sondern lernte wieder, mich für mein eigenes Leben zu investieren. Meine Einstellung auf Menschen zuzugehen änderte sich. Das musste natürlich in vielen Einzelgesprächen erarbeitet und in Gruppen geübt und trainiert werden. Ich habe jetzt wieder Träume und Wünsche. Ich möchte gerne meine Verantwortung in Beziehungen und im Beruf wieder annehmen. Zwischenzeitlich mache in der Abendschule meinen Schulabschluss nach und möchte meine Ausbildung als Koch abschließen. Zurzeit bewerbe ich mich in verschiedenen Betrieben. Im Anschluss an die Maßnahme hier, habe ich mich entschieden, eine Nachbetreuung im Rahmen des Betreuten Wohnens in Anspruch zu nehmen. Falls jemand, der selbst betroffen von Abhängigkeiten ist, meine Geschichte gelesen hat, möchte ich ihn ermutigen, nicht mehr auf die innere Stimme zu hören, die einem einredet, alles alleine schaffen zu müssen oder wertlos zu sein. Es gilt vor allem, sich von seinem eigenen Bemitleiden abzuwenden und den Mut zu haben, um Hilfe zu bitten.



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